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Diskriminierende Kunst Fotogalerie

Diskriminierende Kunst

„Frauen aus Tahiti“, Paul Gauguin, 1891, Musée d’Orsay
„Zwei Zigeunerinnen mit Katze“, Otto Mueller, 1926/27, Museum Ludwig Köln
„Mohr mit Smaragdstufe“ alias „*** mit Smaragdstufe“, 1724, Grünes Gewölbe Dresden
„Großer Hund, Zwerg und Knabe“ alias „Hund, kleinwüchsiger Mann und Junge“, 1652, Gemälde Galerie Dresden

Kunst als Protest gegen Diskriminierung

Kunst gegen Rassismus: George Floyd Graffiti in den USA
Kunst als Wertschätzerin einzelner Menschen: Banksys Wandbild in einem Londoner Krankenhaus
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Kunstmoment des Monats

Damien Hirst will eine eigene Währung etablieren

Damien Hirst- der, der einen menschlichen Schädel mit Edelsteinen beklebte, einen riesigen Hai in einem Glasklotz ausstellte und Ziegen mittig zerteilte.

Jetzt hat er Leinwände voller bunter Punkte erschaffen. Der bepunkteten Bildreihe gab er den Namen „Currency“, auf Deutsch „Währung“. Das Besondere: Sammler:innen können sich entscheiden, ob sie das erworbene Bild als analoges Original oder als NFT (samt Zertifikat) besitzen wollen. Je nachdem für was sie sich entscheiden, wird das jeweils andere unwiderruflich zerstört.

Entscheidet man sich also für das analoge Bild, wird es nie wieder ein NFT von dem Bild geben. Andersherum wird à la Banksy das analoge Bild geschreddert, entscheidet man sich für das NFT.

Damit liegt es an den Sammler:innen selbst, den Wert der „Currency“ Bilder zu beeinflussen. Entscheidet sich die Mehrheit für das analoge Bild, gewinnt die nun abgenommene Zahl an NFTs an Wert. Und andersherum. Hirst spielt hier also mit dem Zufall und dem Unberechenbaren- und mit den Sammler:innen.

Wie der Titel schon sagt, werden die Bilder so zu wechselhaften Währungen- die „Damien-Hirst-Währung“ könnte man auch sagen…

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Warum die Kunst demokratischer werden muss

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Queere Kunst- warum wir zu lange weggeschaut haben

Queere Kunst! Die gab es schon immer. So, wie es auch schon immer Menschen gab, die sich als queer geoutet oder empfunden haben. Dennoch wird teilweise bis heute die queere Kunstgeschichte totgeschwiegen. Dabei gab es schon früher Codes, die Künstler:innen in ihren Bildern verwendet haben, um ihre sexuelle Orientierung auszudrücken. Wie sah queere Kunst früher aus? Wie wichtig ist die sexuelle Orientierung von Künstler:innen? Darüber rede ich in der aktuellen Folge des Minerva-Podcasts mit Katharina Faller*

Foto: Sappho und Lesbos, Antike Darstellung- Enge Freundinnen oder ein lesbisches Paar?

Die lila Jungs

Die Kunstgeschichte ist voller Darstellungen gleichgeschlechtlicher Paare, die man mit einem offenen Blick als queer bezeichnen würde. Häufig jedoch tun sich Kunsthistoriker:innen schwer mit diesem Begriff. Zwei sich küssende, nackte Frauen nennen sie lieber „enge Freundinnen“ oder „Vertraute“. Ein eng umschlungenes männliches Paar „Brüder“. Viele queere Beziehungen in der Kunstgeschichte auf der Leinwand oder von den Künstler:innen selbst, werden teilweise „aktiv unsichtbar gemacht“, sagt Katharina. Die bewusst auf ein rein freundschaftliches Verhältnis beschränkte Wortwahl schließt jegliche Überlegungen zu einer gleichgeschlechtlichen Beziehung von vornerein aus.

Dennoch gab es sie, queere Beziehungen und Personen, die Ausdruck auf der Leinwand gefunden haben. Da es aber häufig sehr schwierig, wenn nicht gefährlich war (und teilweise noch ist), sich als queer zu outen, benutzten Künstler:innen bestimmte Codes in ihren Bildern. „Es klingt klischeehaft, aber die Farbe Lila stand tatsächlich für schwule Männer, genauso wie ein offenes Hemd, auffälliges Schuhwerk oder ein Taschentuch. Lila Astern, die Blumen, waren das Symbol lesbischer Frauen“, erklärt Katharina. „Das sind zum Teil winzige Details, die man nicht erkennt, wenn man nicht von ihnen weiß!“ – oder sie werden als etwas komplett anderes interpretiert. So wird ein Taschentuch zum Abschiedssymbol und verlässt  schnell den queeren Deutungsraum. Klar, viele Künstler:innen wie etwa Lotte Laserstein, Frida Kahlo oder Michelangelo haben sich bis zu ihrem Lebensende nie öffentlich geoutet. Ihnen wird gleichsam nachgesagt, queer gewesen zu sein, ohne, dass man sie danach fragen könnte. Jedoch haben beispielsweise alle drei genannten Künstler:innen gleichgeschlechtliche Beziehungen und Affären geführt, von denen berichtet wird. Sie selbst haben sich aber nicht geoutet und somit kann man sie nicht einfach als queer betiteln. Doch beschäftigt man sich unvoreingenommen mit ihrem Privatleben, so ergeben sich völlig neue Erkenntnisse jenseits der heterosexuellen Ehen, die sie auf dem Papier führten, und plötzlich eröffnen sich neue Sichtweisen auf ihre künstlerischen Werke.

Foto: Herbert Rolf Schlegel, ohne Titel, vermutlich Selbstporträt, 1950- mit Lila als Codefarbe
Foto: Lila Aster, Blumenart und Codezeichen

Schwul, lesbisch, bi- ist das denn so wichtig?

Heutzutage geht es im öffentlichen Diskurs viel um Gender-Themen. Sei es in der Sprache oder den Chefetagen großer Betriebe- das Thema Inklusion und Gender Diversity ist omnipräsent. Warum also heutzutage immer noch so absolut zweifeln an homosexuellen Beziehungen wichtiger Künstler:innen? Macht ihre sexuelle Orientierung sie etwa zu schlechteren Künstler:innen? Sollte die sexuelle Orientierung von Künstler:innen, ob hetero, cis oder queer, überhaupt eine Rolle spielen? Hier wären wir bei der altbekannten Frage der „Trennung von Autor und Werk“, in diesem Fall der Trennung von Künstler:innen und Werk. Sowohl in der bildenden Kunst, wie auch der Musik und Literatur wird diese Frage immer wieder heftig diskutiert:

Werden Emil Noldes Bilder zu schlechten Werken, weil er Nazi war? Darf man  Micheal Jacksons Lieder hören, obwohl ihm Kindesmissbrauch vorgeworfen wird? Ist Lotte Lasersteins Bild mit Traute Rose, ihrer langjährigen Freundin und vermutlich auch Geliebten, anders zu betrachten, wenn man davon ausgeht, dass die Künstlerin lesbisch war?

Foto: Lotte Laserstein und Traute Rose, ihr Lieblinsgmodell und vermutlich auch Lebensgefährtin

Schwere Fragen. Die Frage von „Autor und Werk“ lässt sich nicht absolut beantworten. Letztendlich gehören Künstler:innen und Kunstwerk zusammen und gleichzeitig sollten „gute“ Werke auch selbstständig in der Kunstgeschichte wirken können. Sollte man nun also jedes Mal betonen, ob die Künstler:innen einer Ausstellung hetero- oder homosexuell, cis- oder trans oder queer sind? „Es kommt drauf an“, sagt Katharina, „wenn es in dem Werk der Künstler:innen keineswegs um Sexualität und Identität geht wohl eher nicht. Wenn die Kunst aber genau das zum Thema hat, dann sollte man die Künstler:innen fragen, soweit sie noch leben, wie und ob ihre sexuelle Orientierung genannt werden soll“. Bei bereits verstorbenen Künstler:innen bleibt uns allerdings nur sorgfältige Recherche, Mutmaßungen und die Betrachtung ihrer Kunst mit einem offenen Blick. Denn wer offen ist, der findet zwar nicht immer eindeutige, schubladengerechte Lösungen. Doch eröffnet sich ihm eine Bandbreite an möglichen Ansätzen und Betrachtungen, die das Gesamtbild letztendlich viel detaillierter und vielleicht auch wahrheitsgetreuer gestaltet.

Foto: Michelangelo, Erschaffung Adams, 1510, sind Michelangelos Figuren Objekte der Begierde? War Michelangelo schwul? Der Künstler hatte einige Beziehungen zu Männern, fragen können wir ihn heute jedoch nicht mehr.

Queere Kunst ist und bleibt also ein Thema, zu dem man auf Spurensuche gehen kann und bei dem noch viele Fragen ungeklärt sind, über die man stundenlang diskutieren kann. Ein persönlicher Einwurf der Autorin: „Tun wir es! Diskutieren und streiten wir über endlose Fragen wie die Trennung von Autor und Werk und finden wir Ansätze und Lösungen, die uns alle als Mitglieder der Gesellschaft zusammenbringen!“ Denn auch beim Thema queere Kunst, gibt es noch viel zu sagen, zu diskutieren und aufzuarbeiten.  

Die ganze Folge findet Ihr auf allen gängigen Podcastplattformen unter „Minerva- Kunst und Gesellschaft“. Auf Instagram gibt es außerdem Posts, Fotos und Stellungnahmen zum Thema unter: @minerva_podcast. Viel Spaß beim Hören!

*Katharina Faller

Ist Kulturwissenschaftlerin und hat gerade ihre Masterarbeit in Museumsmanagement- und -Kommunikation geschrieben. Auf Instagram postet sie regelmäßig auf ihrem Kanal @kategoesmuseum aktuelle News, Angebote und Termine zu queerer Kunst.

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Fotogalerie – Queere Kunst

Abbildung von Sappho und Lesbos aus der Antike
Andy Warhol persönlich in der Ausstellung im Kölner Museum Ludwig 2020
Buffallo II, Robert Rauschenberg Collage
Herbert Rolf Schlegel, vermutlich Selbstporträt, mit lila als Codefarbe
Lotte Laserstein und Traute Rose
Michelangelos Erschaffung Adams zeigt viel Haut
Robert Rauschenberg
Michelangelos David- ein Objekt der Begierde Fragezeichen
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Kunstmoment des Monats

Ein Bild für mind. 30 Millionen

Eine alte Bekannte blickt uns hier direkt an- Frida Kahlo! Ihr Gemälde „Diego und ich“ wird bei einer Sotheby’s Auktion im November vermutlich sämtliche Rekorde brechen. Schon jetzt geht man von einer Mindestsumme von 30mio $ Dollar für das Bild der Lateinamerikanischen Künstlerin aus.

Frida Kahlo ist damit nicht nur die teuerste lateinamerikanische Künstlerin. Sie war zu Lebzeiten auch Aktivistin und Feministin und passt deshalb blenden zu der aktuellen Update Folge zum Thema Abtreibungen. Kahlo selbst konnte wegen einer Behinderung keine Kinder bekommen, aber hat sich immer wieder für den Schutz der Frauen und ihrer Körper eingesetzt.

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Fotoreihe – Abtreibung

Käthe Kollwitz, Plakat
Plakat der feministischen Künstlerinnen-Gruppe „Guerilla Girls“
Die „Guerilla Girls“ fordern ironisch einen Rückschritt beim Thema Abtreibungen

„Abortion Pastels“ von Paula Rego

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Von Versailles, über Hitler bis Donald Trumps Wohnzimmer- Macht im Bild

Es geht um Geld, viel Geld. Um Herrscher, Könige und die einflussreichsten Leute der Geschichte. Aber vor allem geht es um Macht.

Von den Medici über Ludwig den XIV. bis Donald Trump. Sie alle haben sich die Kunst zu Nutze gemacht, um ihre Macht zu demonstrieren. Doch wie kann ein Bild überhaupt Macht ausdrücken? Warum ist Trumps Familienfoto so peinlich? Und wie können Bildermacher:innen ganze Nationen manipulieren? Darüber habe ich in der aktuellen Folge des Minerva Podcasts mit Pascal Heß* gesprochen.

Einen Superreichen oder eine Superreiche stelle ich mir so vor: riesige Villa, eine Yacht im angrenzenden Hafenbecken, teuren Schmuck, viele einflussreiche Bekannte, aber vor allem eine beträchtliche Sammlung an Kunstwerken, die von den einflussreichen Bekannten betrachtet werden kann. Einen Monet über’m Klo und einen Hirst in der Küche. Oder so ähnlich. Wer reich ist, ist in unserer Gesellschaft auch mächtig. Das war schon immer so und schon immer wurde die Kunst als Mittel angesehen, um Macht nach außen zu tragen. „Das ist auch gut so“, sagt Pascal, „man brauchte die vermögenden Familien, um die Kunst zu finanzieren. Botticelli war Hofmaler der Familie de‘ Medici. Ohne die Medici hätten wir heute nicht viele Bilder von Botticelli“.

Wer also eine Künstlerin oder einen Künstler engagiert, um Kunst zu machen, der hat Geld. Wie aber können Formen und Farbe auf einer Leinwand Macht ausdrücken?

Alles hat eine Bedeutung- machtvolle Details auf der Leinwand

Um die Macht von simplen Details zu verstehen, muss man den Blick auf einen der eitelsten und vermutlich selbstverliebtesten Herrscher Europas werfen: Ludwig den XIV. Auch bekannt unter dem selbst gewählten Titel „Sonnenkönig“. Blendend, strahlend, grazil, allem überlegen und machtvoll wollte Frankreichs ehemaliger König sein und stolzierte daher nicht nur in Versailles auf den höchsten Absätzen des Hofes. Auch auf den Porträts des schimmernden Königs trägt er hohe Absätze und lief vermutlich mehrmals Gefahr, sich mit der Perücke an diversen Kronenleuchtern zu stoßen… Heutzutage können wir seine Absätze allenfalls als frühe Bekenntnis zur Geschlechtergerechtigkeit auffassen. Damals jedoch spielten genau diese Absätze eine erhebliche Rolle. „Nur Ludwig der XIV. durfte so hohe Absätze tragen. Er hatte die höchsten Absätze am ganzen Hofe“, erklärt Pascal. Absatz und Perücke strahlen also Größe aus. Das ist noch leicht zu verstehen. Betrachtet man die  geschickte Bildinszenierung nun genauer, erfasst man die Säule im Hintergrund, deren Sockel hinter einem Vorhang hervorlugt. „Die Säule steht für Stabilitas, also Stabilität und Macht“, erläutert Pascal und lässt während er spricht ganz den begeisterten Hochschuldozenten zum Vorschein kommen. Die Krone hat Ludwig beiseitegelegt, er muss sie nicht einmal aufsetzen, um Herrscher zu sein. Der Hermelinmantel und das Zepter sprechen für sich.

Die Inszenierung von Bildern beherrscht die Kunstwelt schon seit Ewigkeiten. Einige eindeutige kunsthistorische Merkmale ziehen sich immer weiter durch die Darstellungen mächtiger Menschen unserer Geschichte. So auch bei Adolf Hitler.

Hitler- Meister der Bildinszenierung

Auch, wenn es manch einem etwas weh tut, es zuzugeben: Hitler war kunsthistorisch recht gebildet. Zwar hat er es als Maler selbst nicht weit gebracht, doch das hielt ihn nicht davon ab, die Macht der Bilder für sich zu nutzen. Hitlers Propaganda umfasste nicht nur seine hitzigen, gebrüllten Reden, sondern auch Film- und Fotoaufnahmen, die bis ins kleinste Detail inszeniert waren. Ganze Bauwerke wurden eigens für die Repräsentation der Macht der Nationalsozialisten erschaffen. Hitlers Architektur knüpfte an die Antike an. Große Säulen, auf denen Hakenkreuz und Adler thronten. Amphitheater ähnliche Rotunden, die Hitler wortwörtlich auf den Sockel stellten. Von da aus nahm er dann altbewährte Posen ein. „Der Blick in die Ferne zeigt das Land, den Raum, den er beherrscht“, sagt Pascal und fährt fort: „dann aber steht er wieder inmitten von Menschen, das zeigt die Nähe zum Volk“. Hitler hatte alles genauestens geplant und hat dafür vermutlich das ein oder andere Mal ein Kunstgeschichtslehrbuch aufgeschlagen. Seine Inszenierungen waren basic, würde man heute sagen. Sie haben aber verlässlich gewirkt. Bis heute wirken einige verbliebene Nazi-Bauten einschüchternd und machtvoll.

Was Hitler konnte, konnten viele Herrscher vor ihm und auch heutzutage bedienen sich immer noch viele der bewährten Inszenierung von Bildern.

 

Auch Trump inszeniert- warum sein Familienfoto so peinlich ist

Ein Mann, der versehentlich einmal mächtig war, ist Donald Trump. Multi- Millionär oder -Milliardär, je nachdem wen man fragt, mit schickem Tower, schicker Frau und Sohn. So hatte Trump sich wohl sein perfektes Familienfoto vorgestellt und ziemlich ähnlich setzte es die Celebrity-Fotografin Regine Mahaux auch um. Pascal beschreibt es so: „Ein überreich dekorierter Raum, der neobarock wirkt, sehr übersteigert, aber ganz offensichtlich neuzeitlich ist: bodentiefe Fenster und der Blick über New York.“ In der linken Ecke sitzt Donald Trump in einem Sessel, „etwas plüschig, man kennt’s“, wirft Pascal ein, hinter ihm steht Melania Trump, die Hand in die Hüfte gestützt mit wehendem Kleid. Rechts in der Ecke sitzt der kleine Barron Trump auf einem Plüsch Löwen. Seine Füße berühren den Boden nicht. Vor ihm ist ein Miniatur Fuhrpark aus Stretch Limousinen ausgebreitet. Er wirkt so gelangweilt und schläfrig, dass man befürchtet er könne jeden Moment von seinem Plüschtier rutschen. Dieses Foto ist eindeutig peinlich. Schaut man es an, überkommt einen bestenfalls ein Lachkrampf- oder eben eine große Welle Fremdscham.

„Das peinliche an diesem Foto ist die Unnatürlichkeit“, sagt Pascal. Das Foto ist offensichtlich als Familienfoto gewollt und genau das macht es so unaushaltbar: „das Kind sitzt rechts in der Ecke, Mama und Papa links. Mama ist vor allem ein Jagdobjekt. Das ist irritierend, aber auch ein Ausdruck von Macht.“ Alles im Bild zitiert klischeehafte Merkmale der Macht. Donald Trumps „Plüschsessel“ ist an einen Thron angelehnt, Barrons Sitzgelegenheit nicht ohne Grund ein Löwe, der „König der Tiere“. Melania ist die perfekte Gattin und Trophäe Trumps, deren Unnatürlichkeit durch das Wehen ihres Kleides verstärkt ist, was etwas irritierend ist, da es im geschlossenen Apartment vermutlich nicht derartig windet.

Die Unnatürlichkeit der Figuren wird vom Hintergrund aufgenommen. Pascal spricht es an: „Diese galoppierende Geschmacklosigkeit im Hintergrund. Diese pseudo neo-barocke Einrichtung, von der jeder weiß, dass sie durchgefaked ist von vorne bis hinten.“ Er fährt fort: „Wir wissen genau, was es zitiert: das ist Versailles. Aber: man ist kein Schlossherr.“

Mit diesem Satz trifft Pascal den entscheidenden Punkt: Donald Trump ist kein eleganter, erhabener Schlossherr. Sein schiefes Lächeln, die gelben Haare und die entrückt wirkende Frau und Sohn passen irgendwie nicht rein.

Trump Family, Screenshot aus der Zoom-Konferenz mit Pascal und Freya

Wir haben die Macht über Euch- Manipulieren und retuschieren, auch auf Instagram

Ob der Profi-Fotografin die Peinlichkeit ihrer Aufnahme bewusst ist? Bewusst hat sie jedenfalls die einzelnen Attribute im Bild und die Haltung der Personen gewählt. Bei den Trumps ist dabei ein schrecklich peinliches „Familienfoto“ entstanden. Das Manipulieren, Inszenieren und Werkeln an Fotoaufnahmen kommt aber immer wieder vor und ist äußerst machtvoll. Tagtäglich schnippeln wir an unseren Instagram Fotos herum, retuschieren Selfies, beschneiden Aufnahmen. „Wir wählen den Ausschnitt. Darüber haben wir schon Macht“, sagt Pascal. Es geht darum, was andere Leute zu sehen bekommen. Das gilt bei Instagram Fotos und Selfies wie bei Aufnahmen von Ereignissen. Pressefotos oder Aufnahmen aus Katastrophengebieten können durch das Wählen eines Ausschnitts erheblich beeinflusst und verändert werden.

Ein Beispiel dafür sprechen wir in der aktuellen Folge an.

Kunst war und ist also ein beliebtes Mittel zur Macht. Inszenierungen, Details und Bildausschnitte zeigen Macht. Und durch geschicktes Manipulieren von Bildern, haben wir die Macht über das, was andere wahrnehmen. Das Bild- ein nicht zu unterschätzendes Medium, das uns immer wieder begegnet und beeinflusst.

Hört Euch gerne die aktuelle Folge zu solchen Machtbildern an- überall, wo’s Podcasts gibt!

*Pascal Heß

Ist selbstständiger Kunsthistoriker, Museumspädagoge und Hochschuldozent. Er bietet immer wieder Online-Seminare und Präsenz-Führungen in Museen zu aktuellen wie auch bewährten Themen der Kunst an.

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Macht im Bild

Sandro Botticelli

 ohne die reiche Familie Medici gäbe es viele seiner Bilder heute nicht

 

Giuliano de’ Medici von Sandro Botticelli proträtiert

 

Porträt des „Sonnenkönigs“ Frankreichs, Ludwig der XIV

 

Parade von Nationalsozialisten im 3. Reich, mit Säulen als Zeichen der Macht

 

Trumps Familienfoto

Screenshot aus dem Zoom-Gespräch von Pascal und Freya

 

Pressefoto aus Hiroshima:

„Napalm Girl“, wie es veröffentlicht wurde

 

„Napalm Girl“- das Original, bevor es zugeschnitten wurde

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Kunstmoment des Monats

American Girl in Italy, Florence

Dies ist die bekannteste Fotoaufnahme der amerikanischen Fotografin Ruth Orkin. Ruth (wie schwer dieser Name auf englisch auszusprechen ist, erfahrt Ihr in der Folge 😉 ) nahm damals eine Bilderreihe in Florenz auf, mit der sie zeigt, wie es ist, als Frau alleine zu reisen.
„American Girl in Italy, Florence“ zeigt eine- wie wir heute sagen würden- typische Catcalling Szene. Also Männer, die einer Frau auf der Straße nachstellen und sie mit Ausrufen oder Gestiken anmachen wollen, oder sie schlimmsten Falls regelrecht belästigen.
Vor 70 Jahren wurde Catcalling also schon von Ruth Orkins Kamera eingefangen und so thematisiert.
Weitere Fotos gibt es dieses Jahr zu genüge von ihr zu sehen, da wir dieses Jahr den 100. Geburtstag der großartigen Fotografin feiern. Ruth lebt zwar nicht mehr, ihre Bilder bestehen jedoch fort.