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Kunstmoment des Monats

„Angela Merkel nackt im Museum?!“

Angela Merkel, die 1. Kanzlerin Deutschlands, legt dieses Jahr ihr Amt nieder. Auch die Kunst hat sich in den vergangenen Jahren der Politikerin gewidmet. Eine Skulptur in Stralsund löst jetzt heftige Diskussionen aus. Die „Schutzmantelmadonna“ zeigt eine der Kanzlerin sehr ähnliche, nackte Frauenfigur, die einen Mantel trägt, unter dem 10 Männer- wichtige Politiker- Platz finden. Merkel als nackte Madonna, als schützende Mutti.

Sollte man die Kanzlerin so präsentieren dürfen? Und dann auch noch im Museum? Wie weit geht da die Kunstfreiheit und wird sie somit nicht nur auf ihren weiblichen Körper und die typisch weibliche Rollenzuschreibung der „Mutti“ reduziert?

Interessante Debatte- schreibt uns gerne, was Ihr dazu denkt! Auf Insta @minerva_podcast oder hier in den Kommentaren.

 

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Fotogalerie zur Folge

Schönheitsideale von der Steinzeit bis Social Media

Schönheitsideale in der Kunstgeschichte

Die Schönheitsideale der Geschichte. Chronologisch zur Folge!














Venus von Willendorf, Steinzeit










Primavera von Botticelli, Renaissance













David von Michelangelo,
Renaissance














Bachhus Darstellung, Barock














Rubensfigur, Barock
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Body Positivity auf Instagram

Frauen wollen andere empowern, ihren ,,unperfekten" Körper zu lieben.
Auch Männer haben mit Schönheitsidealen zu kämpfen.
Dennoch sieht das dominierende Ideal auf Social Media so aus: extrem schmal und trainiert, oder extrem kurvig.
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Artikel zur Folge

Schönheitsideale von der Steinzeit bis Social Media

Kendall oder Kylie? Trainiert oder Curvy? Wie haben sich unsere Schönheitsideale gewandelt? Und warum ist Body Positivity heutzutage alles andere als empowernd?

Darüber habe ich in der aktuellen Folge des Minerva Podcasts mit Anuschka Rees* gesprochen. 

Schönheitsideale gibt es, seitdem es Menschen gibt. Betrachtet man die Kunstgeschichte, die seit Beginn der Menschheit eine Art Spiegel der Gesellschaft ist, beobachtet man einen ständigen Wechsel von Schönheitsidealen. Jede kunstgeschichtliche Epoche verzeichnet ihr eigenes Schönheitsideal, dass Künstler:innen ihrer Zeit mit Farbe und Pinsel auf der Leinwand festgehalten haben. Spannend ist da vor allem zu sehen, wie sich die Extreme von einer Epoche in die andere abwechseln: Mal ist der ideale Körper Spindel dürr, dann ist er gut trainiert und muskulös, dann wiederum gibt er sich gut gesättigt und Speckfalten an Bauch und Kinn sind ein Muss, um dem Ideal zu entsprechen.

Verrückt, wie die Menschen sich immer wieder ein Ideal heraussuchen, an dem sie festhalten, das in den nächsten 20 Jahren aber schon wieder ganz anders aussehen kann! Letztendlich zeigt das nur, dass es eine Bandbreite an Figuren und es damit nicht den einen perfekten Körper gibt.

Schönheitsideale in der Kunstgeschichte

Die lange wechselhafte Geschichte unserer Schönheitsideale nimmt ihren Ursprung in den Höhlen der Steinzeitmenschen. Vor gut 25.000 Jahren schnitzte ein früher Künstler (oder eine frühe Künstlerin?) an einer kleinen Figur von gerade mal 11cm, die später als legendärer Fund gelten sollte. Die auf den Namen „Venus von Willendorf“ getaufte Figur stellt eine nackte Frau mit ausgeprägten Brüsten, Oberschenkeln und Bauch dar. Wikipedia beschreibt sie als „adipöse Frau“. Die vermeintliche Fettleibigkeit der Figur steht aber gar nicht im Vordergrund. Vielmehr sind ihre „Kurven“ Ausdruck von Fruchtbarkeit. Sie ist vermutlich stilisiert, ihre sexuellen Zonen übertrieben hervorgehoben. Doch genau das zeigt uns, welches Körperideal schon damals (zumindest für die Frau) existierte: Fruchtbarkeit sollte deutlich sichtbar sein.

Venus von Willendorf

Von dieser ersten Berührung mit Körperidealen, machen wir einen Sprung zur Blütezeit der Kunst und des dargestellten Körpers- der Renaissance.

Die Renaissance- Künstler:innen orientierten sich an den alten Meistern der Antike und ahmten auch ihre Vorstellung des idealen Körpers nach. Am wichtigsten waren dabei die Proportionen. Alles sollte sich in das Gesamtbild einfügen. Alle Körperteile sollten zueinander passen. Die Venus von Willendorf wäre damals verschmäht worden. Sinnbild für dieses Ideal, sowohl bei Frauen, als auch bei Männern, ist Sandro Botticellis „Primavera“.

Primavera von Botticelli

Auf die beinahe mathematisch exakt berechneten, stimmigen Körper der Renaissance, folgen die wohlgenährten Körper des Barock, denen wir heutzutage so manche „Problemstellen“ attestieren würden. Die in vielen Bildern dargestellten liegenden Frauen mit fülligen Bäckchen und leichtem Doppelkinn oder der wetternde Weingott Bacchus mit regelrechten Bierbauch, werden nach dem Barock-Künstler Peter Paul Rubens „Rubensfiguren“ genannt- sie sind sinnbildlich für die Schönheitsideale des Barocks.

Bachhus Darstellung

Man sieht: verschiedene Epochen, verschiedene Ideale. Schaut man auf die Moderne und vor allem die 90er Jahre, sieht man nur noch Models, die „Size Zero“ tragen. 2010 kommen dann die Schönheits-Ops dazu, wie der Brazilian Butt Lift, die eine schmale Wespentaille und einen großen runden Po modellieren.

Was verändert Social Media?

Von einem Extrem ins andere, das war schon immer so. Wenn es aber schon immer Schönheitsideale gab, warum ist es dann ausgerechnet heute so, dass immer mehr Menschen an den ihn auferlegten Idealen zugrunde gehen? Social Media spielt da verschiedene Rollen.

„Schönheitsideale an sich sind nicht das Problem“, sagt Anuschka Rees*, „was sich verändert hat ist, dass uns allen das Ideal heute als viel relevanter für unser Leben erscheint“. Das ist das Problem. Wenn wir dem Ideal nicht entsprechen, ist unser Leben weniger lebenswert, das zumindest denken sich (unterbewusst) viele von uns. Suggeriert wird uns das vor allem durch Social Media. Das gefährliche sind vor allem die unrealistischen Schönheitsideale, die uns zum Beispiel die Kardashians auf ihren Social Media Accounts präsentieren. Niemand kann durch natürliche Mittel Kims Wespentaille oder ihren XXL- Hintern erreichen. Das geht nur mit einem Brazilian Butt Lift: der am meisten durchgeführten Schönheitsoperation der Welt- und by the way auch der lebensgefährlichsten. Wenn wir also dem Ideal entsprechen wollen, das heißt so wie Kim Kardashian oder Kylie Jenner aussehen wollen, dann müssen wir uns unter’s Messer legen. „Und da wird’s für mich problematisch, wenn das Schönheitsideal nicht mehr dem menschlichen Körper entspricht“, sagt Anuschka Rees.

Schönheit als Klassenfrage

Kim Kardashian und ihre Wespentaille

Hinzu kommt, das Schönheits-OPs verdammt teuer sind- zumindest, wenn sie hochwertig sein sollen. Jährlich sterben Frauen aus ärmeren Verhältnissen an ihren billigen OPs, weil sich beispielsweise Entzündungen nach einem Brazilian Butt Lift mit schlechten Implantaten ausbilden. Wer schön sein will, muss also zwangsläufig Geld in die Hand nehmen- und wer überleben möchte, der muss noch ordentlich drauflegen.

Body Positivity- wirklich eine gute Idee?

Body Positivity auf Instagram

Warum denn dann nicht einfach seinen eigenen Körper so schön finden, wie er ist- ohne OP, ohne Mager-Diätplan, dafür mit Dehnungsstreifen, Narben und Speckröllchen? Dafür plädiert die Body Positivity Bewegung vor allem auf Instagram.

„Wir haben der Body Positivity Bewegung extrem viel zu verdanken, aber heutzutage hat sie sich verselbstständigt und wird vom Mainstream nicht mehr richtig verstanden“, meint Anuschka Rees. „Früher ging es in der Bewegung nicht um Schönheit, sondern um Respekt“. Ihrer Meinung nach hat sich vieles zum Besseren entwickelt durch Body Positivity und vor allem durch Social Media. „Doch mittlerweile geht es nicht mehr grundsätzlich um Respekt, sondern um Schönheitsideale. Das ist problematisch, weil es uns suggeriert, dass Schönheit immer noch sehr essenziell ist“. Anuschka Rees plädiert in ihrem Buch „Beyond Beautiful“ dagegen, seinen Körper ständig „zu feiern“. Niemand kann sich und seinen Körper immer lieben. Niemand findet sich immer schön. Das muss man auch gar nicht. Es ist ok sich nicht immer wunderschön zu finden, sagt Anuschka. Das Ziel ist für sie, gut mit sich und seinem Körper klarzukommen und die eigene Schönheit nicht immer zelebrieren zu müssen. „Der Anspruch sollte sein: ich bin ok mit meinem Körper und konzentriere mich jetzt nicht den ganzen Tag darauf, weil ich ja auch noch anderes zu tun habe!“. Diese Einstellung vom „ok“-Sein findet sich unter dem Begriff Body Neutrality wieder. Er ist kein Aufruf, sich nicht mit seinem Körper zu beschäftigen und sich nicht schön zu finden. Vielmehr nimmt er uns den Druck, uns und unseren Körper immer abfeiern zu müssen. Auch Posts ohne Make-up und Six-Pack sind mittlerweile zum Glück immer öfter auf Instagram zu finden. Besonders beliebt sind Bilder, unter denen die Influencer:innen schreiben: „not a before, not an after“. Dadurch suggerieren sie mehr Natürlichkeit- um den Körper dreht es sich aber immer noch. Mal sehen, ob und wie sich die Body Neutrality also in den Medien und der Gesellschaft durchsetzen wird.   

Schönheitsideale gehören zu uns Menschen dazu und werden uns immer begleiten. Doch nicht zuletzt die Kunstgeschichte zeigt uns, dass es in dieser Welt einen Platz für viele verschiedene Körper und Formen gibt- und, dass es noch viele weitere interessante Themen gibt, denen man sich seine Zeit widmen kann; hört Euch also unbedingt die nächsten Folgen des Minerva-Podcasts an, um mehr zu Kunst und Gesellschaft zu entdecken! ; )

 

* Anuschka Rees

Ist freie Autorin und hat bisher zwei Bücher veröffentlicht: „The curated closet“ und „Beyond Beautiful“, die beide jeweils in mehr als vier Sprachen übersetzt wurden. Sie hat Sozialpsychologie studiert und lebt in Berlin.